Doug Engelbart in NerdTV

Für jene, die noch nie was von NerdTV gehört haben: Dies ist ein Projekt des IT-Kolumnisten Bob Cringley (und Regisseur-/Erzähler des Doku-Dreiteilers über die Geschichte des PC „Triumph of the Nerds“), in welchem er so etwa wöchentlich ein einstündiges Interview mit verschiedensten Top-Shots aus der IT-Szene abhält. Über ihre Geschichte, ihre Geschichten und zum Teil auch, was sie auf uns zukommen sehen.

Für jene, die noch nie was von Doug Engelbart gehört haben: Müsste ich aus der gesamten IT-Geschichte das visionärste Genie nennen, ich würde höchstens fünf Sekunden zögern und dann (nein, nicht his Steveness) Engelbart nennen.

Engelbart war vermutlich der erste, der ein Computerverständnis hatte, welches in etwa dem unsrigen heute entspricht. Und er war definitiv der erste, der solche Sachen als Prototyp zeigen konnte. Und das schon zu den Urzeiten – die Ideen hatte er Anfang der Fünfziger Jahre, als es in den gesamten Staaten erst drei elektronische Computer gab, den grossen Aufsatz Augmenting Human Intellect: A Conceptual Framework veröffentlichte er Anfangs der 60er Jahre, und 1970 gab es dann The Mother of all Demos

Von Englebart haben wir unter anderem die Maus und das GUI samt Desktop- und Papier-Metapher, Multitasking, das Client-Server-Prinzip, die Idee der autonomen Netzwerk-Hosts, Hyperlinks und vieles mehr, vor allem haben wir von ihm aber die Grundidee erhalten: Nicht Computer sollen alles machen können (was damals der verbreiteten Vision entsprach; noch vor den ersten Debakel, in welche sich die Künstliche Intelligenz-Forschung geritten hatte), vielmehr soll das eigentliche machen und wissen die Aufgabe des Menschen sein, und der Computer soll ihm dabei helfen.

So, und nun spricht Cringley eine Stunde lang mit Englebart, und man kann nur sagen: Ein absolutes Muss. Wirklich sensationell, zwar nicht viel neues, aber mit vielen Nebeninfos, die ich so noch nie gehört habe. Vor allem, wie er die ersten 15 Jahre weniger an der Implementierung seiner Ideen zu knabbern hatte, sondern das Problem vielmehr das war, dass er überhaupt von irgendwo her auch nur die Möglichkeit musste, mit Computern zu arbeiten (Stanford war dazumals noch der Meinung, Computer hätten an einer Uni nix verloren).

Wer es sich downloaden will: Englebart nuschelt teilweise ein wenig arg, so dass ich eigentlich die Version mit Untertiteln vorgezogen hätte. Aber die spinnt wieder einmal völlig, nach zehn Minuten fällt der Ton aus, und etwa das dritte Viertel der Sendung wird plötzlich übersprungen und erst am Schluss wieder angehängt. Daher unbedingt die nicht-untertitelte Version runterziehen, und allenfalls halt die untertitelte Version in einem Fenster im Hintergrund laufen lassen wenn es denn sein muss….

Hier gehts zum Download der NerdTV-Show Nr. 11
(ach ja, wer gerade etwas zu viel Zeit hat, die Shows mit Hertzfeld (Mac), Levchin (Paypal), Joy (Sun), O’Reilly (O’Reilly-Books und Opensource), Drake (Autodesk) und Bricklin (VisiCalc) sind ebenfalls exzellent)

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