Für einmal kann ich einfach wieder mal eine unbedingte Empfehlung abgeben: Neuland, ein begleitender Dok-Film zu einer Integrationsklasse in Basel. Nicht ein perfekter Film, aber wunderbar ist er allemal.

Etwas störend fand ich einzig, dass die drei genauer verfolgten Schicksale alle im Happy End enden, dies aber nicht thematisiert wird. Haben am Schluss wirklich alle, welche die Integrationsklasse besuchen, eine Lehrstelle? Oder wollte man die erfolglosen Schüler im Nachhinein nicht ausstellen? Oder hat man sich von Beginn weg auf die drei konzentriert, und hatte jetzt einfach Glück, dass alle eine Lehrstelle und eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben? Und was ist mit jenem Schüler, von dem wir ganz am Schluss erfahren, dass er immer noch keine Genehmigung hat? In dieser Frage ist ein bisschen unklar, was der Film genau verfolgt.

Etwas speziell finde ich auch noch, dass der Lehrer der Klasse nicht per se positiv wirkt. Einzelne eher deplazierte Bemerkungen, für mein Empfinden eher rücksichtslos was die körperliche Nähe angeht: Obwohl er sicher ein guter Mensch ist (und das meine ich bekanntlich restlos positiv) und einen guten Job macht, hat man nie das Gefühl, einer unfehlbaren Übergestalt zu begegnen. Und das finde ich eigentlich auch wieder sehr gut, auch wenn ich nicht sicher bin, wie stark dies beabsichtigt war.

Am Sonntag besuchten wir im Casino das Familienkonzert des KTB, unter dem Aufhänger ‚Into the West – American Classics‘. Symphonischer Soundtrack aus klassischen Westernfilmen war angesagt, und das könnte doch eigentlich ganz toll sein, auch wenns im Rahmen der Musikvermittlung angelegt ist.

Nun ja, in knapp einer Stunde ging das Orchester viele Themen durch, angefangen bei den Magnificent Seven über die unsterblichen Themen von Morricone, dem Bonanza-Sound bis und mit Dancing with Wolves. Starke Stücke. Und trotzdem würde ich behaupten, dass es das KTB verpatzt hat.

Das szenische funktionierte meines Erachtens überhaupt nicht. Offensichtlich ging es darum, dass die zwei Opernsänger soviele Westernzitate wie möglich einbringen konnten – diese zu erkennen ist aber schon für einen Kinofreak wie mich ziemlich schwer, aber für die Kinder als eigentliches Zielpublikum völlig witzlos. Dafür fehlte dann demjenigen Cowboy-Teil, mit dem die Kinder etwas anfangen können, das Fleisch am Knochen: Lasso und Revolver nur im Ansatz verwendet, von Indianern weit und breit keine Spur. Stimmung, kindliche Begeisterung war im Raum nichts zu spüren.

Aber auch der Vermittlungsaspekt ging völlig in die Hose: Nur bei zwei Stücken wurde überhaupt der zugehörige Film und der Komponist erwähnt. Sonst wurden einfach Themen abgespult, kurz unterbrochen von szenischen Interventionen. Keine Erläuterung, weshalb sich ausgerechnet im Western der symphonische Soundtrack halten konnte, als er in allen anderen Genres gestrichen wurde, keine Hinweise, ob die Komponisten neben der Filmarbeit auch noch direkt für den Konzertsaal gearbeitet haben. Schlicht: Keine Vermittlung.

 

Zusammengefasst: Konzert Theater Bern macht im Rahmen der Kulturvermittlung ein Familienkonzert unter dem Thema Western. Sie verfehlen die Vermittlung, sie verfehlen die Kinder, und was sie vom Western zeigen ist kaum zu entschlüsseln… Zum Glück war der Sound ganz ordentlich!

Lange hats gedauert, jetzt bin ich den Schweizer Film des Jahres doch noch schauen gegangen. Und wurde dabei durchaus gut unterhalten. Die Vorlage von Pedro scheint mir solid, auch wenn mich die Story nun nicht völlig umgehauen hat. Den grössten Teil der Geschichte kannte man schon, wenn man in den letzten 2 Jahren zwischendurch den Feuilleton durchgeblättert hat – Da gehts um einen Looser, der wegen Giftgschichte im Grosse Moos war, zurückkehrt und sieht, wer ihn wie gelinkt hatte. Und dann kommt noch Regula dazu, die eine Gute ist, aber bei der er dann eben doch nicht landen kann. Soweit so klar.

Wenn ich negatives aufzählen will, so habe ich eigentlich nur zwei Dinge: Erstens das völlige Fehlen eines überraschenden Elements, aber das liegt an der Vorlage, und wie das Buch und dann das Theater und dann der Film in der Berner Kulturszene gehyped wurde. Und zweitens der ziemlich dünne Schlusssong von Züri West. Weshalb der irgendwo lobende Erwähnung fand, war mir von Anfang an unklar.

Auf der positiven Seite ist natürlich zuerst Marcus Signer zu nennen. Ich liebte ihn schon in Mary & Johnny, die Rolle des Goalie ist nun endgültig auf ihn zugeschnitten. Einfach super. Da vergisst man gleich, dass der restliche Cast solide, aber nun wirklich nicht herausragend ist. Was natürlich wiederum zum Film passt, ein Staraufgebot wäre völlig schräg gewesen.

Das andere wirklich coole ist die Produktion: Was da alles an altertümlichen Beizeninventar, Migros-Plastiktaschen und Pullis ausgegraben wurde, gibt eine ganz grosse Athmosphäre. Oder eben natürlich eine kleine. Ich bin nicht in Langenthal aufgewachsen, und in den 80ern war ich noch zu klein. Aber die Athmosphäre der Steinhölzli-Beiz in den 90ern oder des Spiegel-Migros meiner Kindheit verspürte auch ich.

Dann gibts auch noch einige kleine Nennungen: Guter Soundtrack (wie gesagt, ohne den Züri-West-Abgesang), das Cameo von Pedro Lenz, das fehlende Happy End und natürlich die vielen wunderschönen Wortwendungen, die von den französischen Untertiteln regelrecht massakriert wurden.

Kurz: Ein Film, der dem leicht melancholischen Touch von Lenz entspricht, der nicht gross sein will, aber sehr gefällt und ganz besonders in den Details. Und da nimmt man etwas Hype in Kauf, kommt ja selten genug vor…

Im Rahmen des BeJazz Transnational-Festivals gingen wir in die Vidmar, das Augur Ensemble hören. Um es kurz zu machen: Das war nicht mein Abend. Vielleicht war ich zu müde, um mich richtig drauf einzulassen, aber vielleicht wars halt einfach wirklich nicht mein Stil. Die Dynamik in den Stücken war ganz ok, aber trotzdem hat mich den ganzen Abend nichts mitgerissen, zu verspielt war das ganze, zu fragmentiert. Und auch die lyrischen Einwürfe von Franziska Müller und Tobias Lambrecht brachten mich dem Abend nicht näher, ganz im Gegenteil, weder konnte ich mit den Texten etwas anfangen, noch konnte ich sie mit der Musik in Verbindung bringen.

Naja, solche Abende gibt es halt. Zu erwähnen ist allerdings, dass meine 3 BegleiterInnen den Abend sehr genossen haben, daher nehme ich meine Unzufriedenheit voll auf meine Kappe…

Die Reihe von Lichtspiel und Kunstmusem-Kino „Die Filmgeschichte in 50 Filmen“ ist generell recht famos was die Filmauswahl angeht. Dass nun auch Jacques Tatis ‚Playtime‚ gezeigt wurde, überraschte mich aber dann doch – dieser Film steht so für sich allein, dass er in er Filmgeschichte kaum Niederschlag gefunden hat: Er beruft sich kaum auf andere Filme, und meines Wissens hat kein Filmer je wieder versucht, an Tatis grandiosen Fehlschlag anzuknüpfen.

Gemäss den einleitenden Worten von Bernhard Giger soll Truffaud gesagt haben, dass Playtime ein Film „von einem anderen Planeten“ sei, und das scheint mir eigentlich die vernünftigste Art, diesen Film zu beschreiben. Alleine das filmische Handwerk Tatis, das Spiel mit respektive eben ohne Farben oder die Führung des Zuschauers über Geräusche statt über visuelle Reize. Die komponierten Sequenzen wie zum Beispiel das Verkehrs-Karusell. Und dann die trostlose Geschichte, fast ohne Plot, aber mit viel Witz und Poesie.

Ich hatte den Film vor fast 20 Jahren mal in der Cinematte gesehen und war schlicht begeistert. Etwa vor 10 Jahren hatte ich ihn am TV gesehen und war recht ernüchtert: Ist das ein Film, der nur einmal funktioniert? Auf ein perfektes Setting angewiesen ist? Nicht fernseh-kompatibel ist? Mit grosser Genugtuung kann ich nun sagen: Dieser Film hat wirklich ganz ausserordentlich viel Charme und Witz und kann durchaus mehrfach genossen werden. Ob es der beste Film von Tati ist, lasse ich hier offen (Jour de Fête und Mon oncle sind da sicher auch ganz gute Kandidaten), aber sicher ist es der eindrücklichste und speziellste von allen.

Ich oute mich hiermit: So ein richtig aktiver Kulturkonsument bin ich erst seit anderthalb, zwei Jahren – früher war ich eher ein Stubenhocker, wenn ich nicht einen Jass- oder Backgammonabend organisieren konnte. Und demzufolge war mir auch der Lustige Dienstag kein Begriff, auch wenn die offene Comedy-Bühne im Tojo-Theater mittlerweile in ihrer 11. Saison steht. Item, letzte Woche war es soweit, meine persönliche LuDi-Premiere stand an. Respektive zuerst einmal stand ich für meine LuDi-Premiere an, denn obwohl ich eine halbe Stunde vor Beginn aufkreuzte war das Tojo bereits pumpevoll und nur mit viel Glück konnte ich zwei freie Sitze nebeneinander ergattern.

Der Abend begann mit einem Rahmenprogramm der LuDi-Crew, welches offensichtlich mit jeder Menge In-Jokes versehen war, denn während ich und meine ebenfalls LuDi-Unerfahrene Begleitung nicht so recht begriffen, was jetzt lustig sein soll, amüsierte sich das restliche Publikum köstlich. Dann kamen die diversen Gäste, deren Unterhaltungsfaktor insgesamt sehr ordentlich war, nur ein Beitrag floppte komplett, genauso wie nur ein Beitrag wirklich voll begeisterte (der Slamer Remo Zumstein sei hier namentlich erwähnt). Und zum Ende fanden meine Begleitung und ich auch die Schwerelosigkeits-Show der LuDi-Crew ganz lustig.

Fazit: Der Lustige Dienstag trägt seinen Namen völlig zurecht, und es war sicher nicht das letzte mal, dass man mich dort antreffen konnte…

Wes Anderson ist momentan klar mein Lieblingsregisseur. Moonrise Kingdom und vor allem der Fantastic Mr Fox sind schlicht wunderbare Filme in einem modernen Filmstil, welcher mir sehr zusagt. Der neuste Wurf, Grand Budapest Hotel, gehört in die Kategorien „Zu hohe Erwartungen“ „guter Film, aber eben nicht mehr“ und „Story zu schwach, wird dem hervorragenden Rest nicht gerecht“. Wahnsinnig schnelle Schnitte, Detailverliebte Hintergrundbilder, 50 Schichten Zuckerguss, ein Bildwitz sondergleichen und natürlich ein grossartiger Cast – Wes Anderson beherrscht das Filmemachen wie nur wenige andere. Aber irgendwie reicht das nicht mehr, bei Anderson will ich unterdessen mehr.

Die Museumsnacht gehört zu jenen Evenements, bei denen das Drumherum wichtiger oder zumindest gleich wichtig ist wie der ursprüngliche Event. Letztes Jahr hatte ich am Schluss kein einziges Museum betreten, sondern den Pass nur aus Solidarität und für den Zugang zu einzelnen Verpflegungszelten genutzt. Dieses Jahr war das anders:
Nachdem ich die Dachstock-Plattentaufe von Klischée zwei Wochen zuvor einem längst überfälligen Jassabend geopfert hatte, war ich entschlossen, die Gelegenheit der Museumsnacht beim Schopf zu packen und das Konzert von Klischee im Lesesaal der Nationalbibliothek zu besuchen.
Hammer!!!
Der Sound von Klischée – durchaus ähnlich wie jener von Caro Emerald – trieb mich und meine Begleitung dazu, uns nicht mit dem einen Set zu begnügen, sondern Set 2 und 3 auch noch gleich reinzuziehen. Sehr tanzbar, sehr swingig, sehr fägig. Und im Lesesaal der Nationalbibliothek Bier zu trinken, ist natürlich auch ein ganz spezielles Erlebnis 🙂
Ah ja, im Museums waren wir natürlich auch – zwischen Set 1 und 2 holten wir uns im Museum für Kommunikation eine Crepe, zwischen Set 2 und 3 schauten wir auch noch kurz die doch eher enttäuschend klein gehaltene Ausstellung zum Cocktail-Party-Effekt an (wer hätte es gedacht: In lauter Umgebung macht es einen grossen Unterschied ob man einen Sprecher nur hört oder auch sieht) an. Und ganz am Ende, als wir uns in Richtung Boga-Bar stürzten, hörten wir 5 Minuten lang einem Referat zu fleischfressenden Pflanzen zu. Das zählt ja wohl auch ein bisschen….

Nach dem Puppentheater-Rambo gings zurück in die Reitschule zum Rabefest. Hauptprogramm-Punkt war für mich das Reitschul-Kino, welches durchgehend Episoden der HBO-Serie „Flight of the Conchord„. Zum Teil wirklich sehr vergnüglich, zum Teil etwas gar simpel gestrickt. Zumindest Season 1 werde ich mir da wohl noch eines Tages kaufen…
Danach noch kurz in den Dachstock, wo schon die Tequilla Boys dran waren. Der Sound war flott, die Stimmung im Saal ganz ordentlich, aber die Boys hatten irgendwie nicht ihren besten Tag – zwischen den einzelnen Stücken fiel die Stimmung immer in sich zusammen, während die Band oben auf der Bühne mit sich selber beschäftigt war. So ging ich dann halt recht bald wieder hinten raus und nach Hause… Das Rabefest 2014 in Kurzform: Für mich deutlich weniger ergiebig als die Ausgabe 2013, abgesehen von Fil, der auch dieses Jahr wieder grandios war.

Rambo als Puppentheater, das musste ich wohl oder übel schauen gehen, erst recht nachdem auch die Kritik sehr gut war…
Nun leider trafs nicht ganz mein Geschmack: zuviele Nicht-Puppen-Szenen, die dann meistens den Plot auch gar nicht weiterbrachten. Der Humor war in erster Linie an den Puppen aufgehängt und gar nicht auf der Story (die ja zum parodieren nun wirklich genug hingäbe), und die Stimmen und Dialekte passten überhaupt nicht zu den Figuren – keine Ahnung ob das schlechtes Casting oder ein verunglückter Verfremdungsversuch war. Auf der positiven Seite schlägt vor allem ein witziger Einsatz von Cat Stevens Father and Son zu Buche.

Henu. Katastrophal wars nicht, aber halt einfach deutlich unter den Erwartungen.