30 Jahre Three Mile Island

Hab gar nicht realisiert, dass dieses Wochenende ein gewichtiges Jubiläum stattfand – in den normalen Medien ist es mir jedenfalls nirgends begegnet: Letzten Samstag vor dreissig Jahren gab es den schweren Reaktor-Unfall von Three Mile Island. TMI ist ein Wendepunkt in der AKW-Geschichte; in keinem westlichen Land ausser Frankreich und Japan wurden danach neue AKW-Projekte angegangen. Zumindest bis vor einigen Jahren der Hype um die ach so saubere Technologie wieder losgegangen ist. Ich würde jetzt gerne eine Verschwörungstheorie aufstellen, weshalb so wenig zu diesem Jubiläum zu lesen war, lasse es jetzt aber mal sein, vielleicht habe ich dieses Wochenende einfach die falschen Medien reingezogen.

An TMI erinnert hat mich ein Artikel von Bob Cringely. Seine neues Blog ist weniger gut als das alte, von IT versteht er halt einfach mehr als von der Bankenkrise. Aber genau für solche Artikel habe ich ihn immer noch gerne – auch wenn ich mit seinem Subtext (alles wäre besser wenn die Ingenieure das sagen hätten und nicht Betriebswirtschafter oder gar Politiker) nicht wirklich übereinstimme.

Und weil ich jetzt einfach halt mal ein elender Missionar bin, noch mein Connex zur Schweiz: Die weltweit erste Kernschmelze gab es in der Schweiz, im Versuchsreaktor von Lucens. Dank dieser Erfahrung wurde Atomkatastrophenberatung zu einem Schweizer Exportschlager – wo auch immer ein Reaktor zusammenbrach, wurden umgehend die Schweizer eingeflogen, auch in Harrisburg, auch in Tschernobyl.

Und noch eine weitere Bemerkung: Three Mile Island ist auch ein Wendepunkt in der IT – die Aufarbeitung des Unfalls führte zu einem grossen Schub in der Benutzer-Forschung. Die Kontrollstelle eines AKW ist auch in den neuesten Büchern zu Human-Computer-Interface zu finden.

Item. Wer zu Harrisburg nicht sowieso schon alles weiss, für den ist der Artikel von Cringely Pflichtlektüre.

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