Ich oute mich hiermit: So ein richtig aktiver Kulturkonsument bin ich erst seit anderthalb, zwei Jahren – früher war ich eher ein Stubenhocker, wenn ich nicht einen Jass- oder Backgammonabend organisieren konnte. Und demzufolge war mir auch der Lustige Dienstag kein Begriff, auch wenn die offene Comedy-Bühne im Tojo-Theater mittlerweile in ihrer 11. Saison steht. Item, letzte Woche war es soweit, meine persönliche LuDi-Premiere stand an. Respektive zuerst einmal stand ich für meine LuDi-Premiere an, denn obwohl ich eine halbe Stunde vor Beginn aufkreuzte war das Tojo bereits pumpevoll und nur mit viel Glück konnte ich zwei freie Sitze nebeneinander ergattern.

Der Abend begann mit einem Rahmenprogramm der LuDi-Crew, welches offensichtlich mit jeder Menge In-Jokes versehen war, denn während ich und meine ebenfalls LuDi-Unerfahrene Begleitung nicht so recht begriffen, was jetzt lustig sein soll, amüsierte sich das restliche Publikum köstlich. Dann kamen die diversen Gäste, deren Unterhaltungsfaktor insgesamt sehr ordentlich war, nur ein Beitrag floppte komplett, genauso wie nur ein Beitrag wirklich voll begeisterte (der Slamer Remo Zumstein sei hier namentlich erwähnt). Und zum Ende fanden meine Begleitung und ich auch die Schwerelosigkeits-Show der LuDi-Crew ganz lustig.

Fazit: Der Lustige Dienstag trägt seinen Namen völlig zurecht, und es war sicher nicht das letzte mal, dass man mich dort antreffen konnte…

Wes Anderson ist momentan klar mein Lieblingsregisseur. Moonrise Kingdom und vor allem der Fantastic Mr Fox sind schlicht wunderbare Filme in einem modernen Filmstil, welcher mir sehr zusagt. Der neuste Wurf, Grand Budapest Hotel, gehört in die Kategorien „Zu hohe Erwartungen“ „guter Film, aber eben nicht mehr“ und „Story zu schwach, wird dem hervorragenden Rest nicht gerecht“. Wahnsinnig schnelle Schnitte, Detailverliebte Hintergrundbilder, 50 Schichten Zuckerguss, ein Bildwitz sondergleichen und natürlich ein grossartiger Cast – Wes Anderson beherrscht das Filmemachen wie nur wenige andere. Aber irgendwie reicht das nicht mehr, bei Anderson will ich unterdessen mehr.

Die Museumsnacht gehört zu jenen Evenements, bei denen das Drumherum wichtiger oder zumindest gleich wichtig ist wie der ursprüngliche Event. Letztes Jahr hatte ich am Schluss kein einziges Museum betreten, sondern den Pass nur aus Solidarität und für den Zugang zu einzelnen Verpflegungszelten genutzt. Dieses Jahr war das anders:
Nachdem ich die Dachstock-Plattentaufe von Klischée zwei Wochen zuvor einem längst überfälligen Jassabend geopfert hatte, war ich entschlossen, die Gelegenheit der Museumsnacht beim Schopf zu packen und das Konzert von Klischee im Lesesaal der Nationalbibliothek zu besuchen.
Hammer!!!
Der Sound von Klischée – durchaus ähnlich wie jener von Caro Emerald – trieb mich und meine Begleitung dazu, uns nicht mit dem einen Set zu begnügen, sondern Set 2 und 3 auch noch gleich reinzuziehen. Sehr tanzbar, sehr swingig, sehr fägig. Und im Lesesaal der Nationalbibliothek Bier zu trinken, ist natürlich auch ein ganz spezielles Erlebnis 🙂
Ah ja, im Museums waren wir natürlich auch – zwischen Set 1 und 2 holten wir uns im Museum für Kommunikation eine Crepe, zwischen Set 2 und 3 schauten wir auch noch kurz die doch eher enttäuschend klein gehaltene Ausstellung zum Cocktail-Party-Effekt an (wer hätte es gedacht: In lauter Umgebung macht es einen grossen Unterschied ob man einen Sprecher nur hört oder auch sieht) an. Und ganz am Ende, als wir uns in Richtung Boga-Bar stürzten, hörten wir 5 Minuten lang einem Referat zu fleischfressenden Pflanzen zu. Das zählt ja wohl auch ein bisschen….

Nach dem Puppentheater-Rambo gings zurück in die Reitschule zum Rabefest. Hauptprogramm-Punkt war für mich das Reitschul-Kino, welches durchgehend Episoden der HBO-Serie „Flight of the Conchord„. Zum Teil wirklich sehr vergnüglich, zum Teil etwas gar simpel gestrickt. Zumindest Season 1 werde ich mir da wohl noch eines Tages kaufen…
Danach noch kurz in den Dachstock, wo schon die Tequilla Boys dran waren. Der Sound war flott, die Stimmung im Saal ganz ordentlich, aber die Boys hatten irgendwie nicht ihren besten Tag – zwischen den einzelnen Stücken fiel die Stimmung immer in sich zusammen, während die Band oben auf der Bühne mit sich selber beschäftigt war. So ging ich dann halt recht bald wieder hinten raus und nach Hause… Das Rabefest 2014 in Kurzform: Für mich deutlich weniger ergiebig als die Ausgabe 2013, abgesehen von Fil, der auch dieses Jahr wieder grandios war.

Rambo als Puppentheater, das musste ich wohl oder übel schauen gehen, erst recht nachdem auch die Kritik sehr gut war…
Nun leider trafs nicht ganz mein Geschmack: zuviele Nicht-Puppen-Szenen, die dann meistens den Plot auch gar nicht weiterbrachten. Der Humor war in erster Linie an den Puppen aufgehängt und gar nicht auf der Story (die ja zum parodieren nun wirklich genug hingäbe), und die Stimmen und Dialekte passten überhaupt nicht zu den Figuren – keine Ahnung ob das schlechtes Casting oder ein verunglückter Verfremdungsversuch war. Auf der positiven Seite schlägt vor allem ein witziger Einsatz von Cat Stevens Father and Son zu Buche.

Henu. Katastrophal wars nicht, aber halt einfach deutlich unter den Erwartungen.

Bereits im letzten Jahr war Fil mein Highlight am Rabe-Fest. Und auch dieses Jahr wieder habe ich mich gekugelt vor lachen. Dabei hat er sogar Sharkey zu Hause gelassen, so ein Jammer.
Fil ist für mich neben Marc-Uwe Kling schlicht das Witzigste, was ich momentan im deutschen Sprachraum kenne. Nicht ganz die Schärfe eines Georg Schramm, aber beileibe nicht beliebig oder blödelnd, aber ungeheuerlich lustig… Absolute Empfehlung, hoffentlich kommt er auch 2015 ans Rabefest