Zu viert besuchten wir heute die KonzertTheaterBern-Aufführung von “Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten” nach Christian Kracht. Der erste Teil – die Postauto-Fahrt durch das zerstörte Bern, war deutlich unter meinen Erwartungen, dabei weiss ich nicht, obs am Text gelegen hat, oder ob Text und Fahrt schlicht zuwenig synchronisiert waren.

Der zweite Teil, die Ankunft im Réduit in einem Steinbruch nahe Berns (der Ort überraschte) war dann wesentlich stimmungsvoller. Tolle Szenerie, einzelne gute Fragmente, aber auch hier blieb der Text schlussendlich zu weit entfernt, erzählte zu wenig, packte kaum. Ein interessantes Erlebnis, aber vermutlich ein zu schwaches Stück.

Messlatte für die Verarbeitung des Réduits bleibt für mich deshalb vorderhand der Winterkrieg in Tibet vom grossen Fritz (von dem sich Kracht offensichtlich auch inspirieren liess).

Auf Anregung meiner Liebsten gings diesmal ins Münster, nach weiss nicht wievielen Jahren stand bei mir mal wieder ein Orgelkonzert an. Angepriesen wurde es nicht in den höchsten, sondern den lautesten Tönen: ‘Volumina’ von György Ligeti wurde vom Bund als apokalyptische Feuerzungen angepriesen, als Werk, welches normale Orgeln technisch überfordere, die Komposition sei so intensiv, dass dem Publikum der heilige Geist über die Köpfe rauscht. Ok, das war gerade etwas dick aufgetragen, dessen war ich mir bewusst, trotzdem liess mich das Konzert etwas enttäuscht zurück. Die Musik war zwar harmonielos, aber auch an ihren stürmischten Stellen berauschte sie mich nicht. Ich hörte eine Orgel aus allen Rohren tröten, wurde aber von der Darbietung irgendwie trotzdem nicht vereinnahmt.

In den darauf folgenden Stücken von Bach und Schönberg glaubte ich dann festzustellen, was mir bei Liegti gefehlt hat: Auch bei wilder Musik benötige ich so etwas wie Interaktion, mehrere Stimmen, die sich auf einander beziehen, die miteinander streiten oder so. Aber wenns nur ein Brei lauter Töne ist, stelle ich keine Verbindung mit der Musik fest.

Nicht ein schlechter Abend, aber deutlich nicht so erinnerungswürdig, wie ich ihn mir erhofft hatte.

Zumindest nicht für die Basler.

 

YB-Fan zu sein, ist in der Regel ein Krampf. Kaum je einen Aufsteller, Enttäuschungen auf sportlicher Seite wechseln sich mit Entsetzen über Entscheidungen der Leitungsgremien ab. Und eigentlich weiss man, dass es völlig absurd ist, im Februar zwei Stunden in der Kälte zu sitzen und einen Grottenkick gegen Thun zu beobachten, den man dann erst noch in der 85. Minute 1-0 verliert, weil die anderen Tuble wieder zu blöd waren…

Aber dann gibt es alle paar Jahre mal wieder ein Spiel, welches alles ausgleicht. Welches all die Enttäuschungen und all den Ärger wettmacht, und stunden- und tagelang ein wohliges Gefühl hinterlässt. Das 4-2 gegen Basel war so ein Spiel, als die Basler 2006 bei uns den Meistertitel feiern wollten, und dann von einem grandiosen Hakan überrumpelt und eine Woche später von Filipescu ins Elend gestürzt wurden. Die Stimmung danach auf dem Quartierplatz, das Scha-lalala-laaaaa von tausenden im Sommeruntergang, das werde ich nie vergessen.

Das 3-1 gestern steht in derselben Kategorie. Ich kann machen was ich will, mein debiles Dauergrinsen bringe ich heute nicht mehr weg. Meinetwegen werden sie nächste Woche in Aarau Meister, aber in Bern wurden sie mit 3-1 abgefertigt, und unsere Jungs haben nach 7 Katastrophalen Monaten, wo wirklich überhaupt nichts funktioniert hat, endlich mal wieder gezeigt, dass sie auch richtig gut und attraktiv spielen können.

Wunderbar so etwas. Ganz einfach wunderbar.

Mit 37 Jahren ich nun zum ersten Mal im Museum unserer Nation gewesen. Viel habe ich in meinen ersten 37 Jahren nicht verpasst! Leider habe ich zuviel Zeit in der aktuellen Ausstellung rund um Märchen und Trudi Gerster verbracht und fand mich dann in Räumen wieder, wo völlig ungeordnet und unkommentiert irgendwelche Gegenstände, die sie gerade im Fundus gefunden haben ausgestellt wurden.

Danach gings noch in die Dauerausstellung zur Schweizer Geschichte. Diese war etwas besser geordnet, im Unterschied zum restlichen Haus gabs da Fragestellungen und einen roten Faden. Weshalb ein 50jähriges Diorama zur Schlacht von Murten, welches über die Schlacht von Murten gerade überhaupt nichts aussagt, als Hauptattraktion angeboten wird, ist mir unklar. Wenn schon so etwas, dann doch bitte einbetten, damit das Publikum auch nachvollziehen kann, was es da sieht. Noch ein grösseres Ärgernis dann die Reformationsgeschichte: Das Landesmuseum in Zürich bringt es fertig, die Reformation ohne Zwingli zu erzählen, oder zumindest ohne Zwingli als eigenständigen Denker und Reformator darzustellen. Neinnein, die Reformation kommt von Luther und Calvin, das wissen wir alle aus dem Fernsehen, da müssen die Schweizer Historiker gar nicht so tun als gäbe es für die Schweizerische Entwicklung wichtigere Personen… Aaargh.

Das letzte Kapitel zur Wirtschaftsgeschichte hätte dann eigentlich ein Aufsteller werden können: Neben dem Weihrauch für den Finanzplatz (ok, wir sind in Zürich) gabs eine ganz grosse Überschrift, dass die der schweizerische Wohlstand stets im Ausland erwirtschaftet wurde. Guter Ansatz, aber leider war da dann schon 16:45, und will das Landesmuseum seine Pforten schliessen können. Naja, nur wegen diesem Kapitel werde ich dieses Museum nicht nochmals beehren, da gibt es in diesem Land wirklich viel besseres zu sehen…

OK, ganz ehrlich gesagt, das kulturelle Evenement lag für diesen Ausflug nicht im Vordergrund, wichtiger waren die persönlichen Gründe für den Besuch des Jugendtheater Sempach, welches sich dieses Jahr ein einfacheres, aber durchaus vergnügliches Projekt ausgesucht hat: Shakespeares Sommernachtstraum in einer 6er-Besetzung. Die Reduktion auf die Geschichten von Helena, Hermia, Lysander und Demetrius hat soweit funktioniert, auch wenn das Weglassen der Handwerker oder der Beziehung zwischen Oberon und Titania brutale Opfer waren. Was leider nicht so gut funktioniert hat, war die Integration von Theseus und Hippolyta und vor allem das Verhältnis zwischen Oberon und Puck, welches den ganzen Abend über nicht aufgelöst wurde.

Alles in allem aber eine vergnügliche Sache mit einer aufgestellten Truppe. Ihr seid einfach super!

 

Die letzte Band, welche im Rahmen von Bejazz Transnational 2014 ihren Auftritt in der Vidmar hatte, war  Jazzator Extended, rund um die Pianistin Marina Sobyanina, welche momentan in Bern studiert. Ein zwiespältiger Auftritt: Teilweise hochdynamischer Jazz, unerwartete Anspielungen, ein beglückendes Interplay, dann aber wieder interpretierte Sobyanina russische Volkslieder, von denen ich hoffe, dass sie in der ‘klassischen’, volkstümlichen Version besser tönen – ein Gejaule war das, kaum auszuhalten.  Aber nicht nur war der Gesang verstörend, auch flog in diesen Sequenzen die Band völlig auseinander, verlor jeden Drive. Es war kein vertaner Abend, aber ein Abend, an dem man immer wieder dem verpassten Potential nachtrauern musste, denn dieses hat der  Trupp definitiv.

Der Berner Kulturkonsument ist unterdessen derart in der Berner Kultur drin, dass er sogar an die Eröffnung von AUAWIRLEBEN geht. Das beinhaltete 3 Elemente:

– Eine etwas verunglückte Intervention der Social Space Agency – untergegangen im Spagat zwischen Realität-Machen-Wollen und Einem-Theater-Festival-Angehängt-Sein und dem Willen der Meute, bald mal mit dem Apero beginnen zu können. Die SoSA hinterliess bei mir generell ein komisches Gefühl – interessant im Ansatz, im Detail aber dann doch nur als Gedankenspiel von Belang.

– Einer Aufführung des Stücks Telemachos:  Prodromos Tsinikoris, in Deutschland aufgewachsener Sohn griechischer Gastarbeiter (Selbstbild), vor einigen Jahren zurückgekehrt nach Athen, steht angesichts der Krise vor der Frage: Soll ich bleiben oder soll ich gehen? Da sind einerseits seine eigenen Gedanken, die Gedanken seiner MitstreiterInnen auf der Bühne (sowohl Griechen aus Deutschland als auch solche aus Griechenland, dazu noch ein Quotendeutscher) und vor allem auch die Skype-Botschaften seiner Eltern. Das Stück kommt eigentlich sachte daher, hinterliess bei mir aber bleibende Eindrücke. Ganz stark.

– Die Eröffnungsparty in der Wifag, mit RAST-Gastronomie, SoSA-Austellung und einem Konzert von “Pablo Nouvelle”. Letzteres war leider viel zu Laut, insb. in einem grossen, nicht unterteilten Raum ohne Lärmausgleichsfläche – das war wirklich schade.

Mit einer grösseren Gruppe gingen wir letzten Donnerstag ins Schlachthaus und sahen uns Next Level an. Gemäss Sachverständigen seien alle Köpfe vom Trupp Kopp/Nauer/Praxmarer/Vittinghoff durchaus bekannt – insb. David Nauer scheint via SF2 eine gewisse Prominenz erreicht zu haben, anscheinend bin ich der einzige, der noch nie von der SF2-Serie ‘Der Scharmör’ gehört hatte (wobei eben dieser Nauer eben jener Scharmör spielte).

Das Stück hörte sich noch so vielversprechend an – eine Zukunftsdystopie, welche einige heutige Trends weiterschreibt und schaut, wohin sie führen könnten. Die Story war dann aber wirklich schwach, und was die Inszenierung angeht, waren wir in unserem Urteil nicht einig: Während die Theaterprofis in unserer Gruppe das ganze doch recht vernichtend beurteilten, waren wir von der Konsumentenfront durchaus angetan, auch wenn wir nicht gross begründen konnten weshalb. Ja, ich habe auch keine Erklärung, weshalb einzig die Tochter der Familie als Puppe gespielt wird, während Mutter und Vater ‘echt’ gespielt werden – aber spielt das überhaupt eine Rolle?  Schlussendlich sind ja alle Figuren gespielt, ob nun mit Puppen oder Verkleidungen…

Was ich lustig fand, ist die Tatsache, wie stilbildend Tron wirkte – einer meiner absurden und nicht mehrheitsfähigen Lieblingsfilme. Seit Tron gibt es immer wieder Darstellungen, wie Figuren ‘in den Computer hineingehen’ und dann anderen Figuren begegnen, welche beispielsweise das Betriebssystem (meist ein griesgrämiger Herr) oder eine Datenbank (Typ: zerzauster, weltfremder Bibliothekar) begegnen. Next Level brachte hier neu noch die Figuren der Popup-Werbung und des Data-Miners hinzu (gerade letztere Darstellung wurde auch von den Theaterprofis positiv gewürdigt), aber das Prinzip ist ein altes und wurde 1982 von Tron eingeführt.

Insgesamt wars ein durchzogener Abend – aus dem Thema hätte man definitiv viel mehr rausholen können und zur Inszenierung halte ich mich mit meinem Laienurteil erst mal zurück.

Hätte man es nicht gesehen, so hätte man nichts verpasst; wäre man aber zuhausegeblieben, dann hätte man noch mehr verpasst.

 

Hier mal wieder eine Enttäuschung: Stahlberger präsentierte im Dachstock sein neues Programm. Endlich würde ich den ominösen Stahlberger mal live sehen, nachdem ich ihn im Kairo immer verpasst habe.

Aber Stahlberger solo im Kairo ist etwas ganz anderes als der neue Stahlberger mit Band im Dachstock. Ein Teil der Schuld muss man der Technik anlasten: Stahlberger ging in der Musik unter, seine Texte waren hinten im Raum überhaupt nicht verständlich, aber auch zuvorderst vorne musste man sich regelrecht konzentrieren um halbwegs mitzukriegen, um was es geht. Und nein, es war keine Frage des Dialekts.

Aber auch wenn man die Texte mitbekam, so zündete das Konzert trotzdem nicht. Zu stark lag der Fokus auf der eigentlich ganz passablen, aber insgesamt sehr unspektakulären Musik, die Texte waren teilweise lustlos oder wurden dann lustlos vorgetragen, und sogar die Passagen zwischen den Stücken waren spärlich gehalten und kamen beim Publikum kaum an.

Jemand meinte, dass Stahlberger wahrscheinlich nicht fit gewesen sein (möglich), und dass einzelne Sachen, insb. die Technik als Tourbeginn-Probleme abzustempeln seien (sehr gut möglich), aber bei allen Erklärungen muss ich sagen: Meine hohen Erwartungen an dieses Konzert wurden in relativ krasser Weise nicht erfüllt. Schade.